Sommerapéro 2026 – Verkehr als Puls der Urner Wirtschaft

Aus dem Urner Wochenblatt (150. Jahrgang, Nr. 68) vom Samstag, 29. August 2026, S. 13

Zum Sommerapéro mit dem Thema «Verkehr als Puls der Urner Wirtschaft. Zwischen Engpass und Standortvorteil» hatte Wirtschaft Uri am Mittwochabend zum Austausch zwischen Urner Politik und Wirtschaft ins Zeughaus Altdorf geladen. Ivo Schillig, Präsident von Wirtschaft Uri, begrüsste dazu nicht nur zahlreiche Interessierte im Publikum, sondern auch vier Referenten, die als kompetente Stimmen aus der Praxis verschiedene Perspektiven auf das Thema Verkehr bieten sollten. Ziel sei nicht, alle Probleme abschliessend zu lösen, sondern sichtbar zu machen, wo die grössten Herausforderungen liegen. Man wolle zusätzlich einen Beitrag dazu leisten, dass man den Verkehr nicht als Belastung im Kanton Uri sehe, sondern weiterhin auch als Standortvorteil. Zuvor jedoch kam die Urner Sicherheitsdirektorin Céline Huber zu Wort. «Stau ist kein Gotthardphänomen, sondern Ausdruck von einer schweizweiten Überlastung des Nationalstrassennetzes. Im Jahr 2024 habe man in der gesamten Schweiz rund 55 000 Staustunden gezählt, im vergangenen Jahr seien es rund 68 000 gewesen. Ein Anstieg von rund 20 Prozent.

Gute Erreichbarkeit erhalten

Am Gotthard habe man 2024 rund 3200 Stunden im Stau gestanden, im 2025 etwa 3300 Stunden. Die Nord-Süd-Achse sei grundlegend für Uris Wirtschaft und Wertschöpfung. Erreichbarkeit sei ein Standortvorteil, Stau nur als Belastung zu sehen, sei zu einfach, er-klärte die Sicherheitsdirektorin. Die Staumassnahmen hätten sich grundsätzlich bewährt, würden jedoch auch an ihr Limit stossen. Man prüfe daher weitere Massnahmen. «Wir müssen uns unsere gute Erreichbarkeit erhalten und verhindern, dass der Kanton Uri zum Parkplatz von Europa wird», betonte Céline Huber.

Wie es aus Sicht eines Transportunternehmers aussieht, schilderte Peter Wipfli, Inhaber der Wipfli AG. Der Verkehr habe extrem zugenommen, bestätigte der Unternehmer. Er sehe aber klar den Standortvorteil von Uri, weil man in kürzester Zeit auf einer Nationalstrasse sei und eher und schneller als manch Mitbewerber mit dem Lkw am gewünschten Ort sein könne. Selbst Teil des Problems Verkehr, versuche man als Unternehmen zudem Mehr- und Leerfahrten zu vermeiden und arbeite gut mit der Bahn zusammen.

Aus seiner unternehmerischen Sicht sei die Axenstrasse wichtiger als der Seelisbergtunnel, weil sie für höhere Gewichtsbelastung gebaut sei. Deswegen sei die Verfügbarkeit des Axen so wichtig. Sein Wunsch wäre, eine härtere Hand gegen Stauumfahrer walten zu lassen und den Transitverkehr auf die Autobahn zu lenken statt auf die Kantonsstrassen.

Den Blickwinkel «Öffentlicher Verkehr» vertrat Reto Marzer, Vorsitzender der Geschäftsleitung Auto AG Uri. «Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal Bus gefahren?», fragte er in die Runde und stiess damit an, sich einmal an die eigene Nase zu fassen in Bezug aufs Mobilitätsverhalten. Als ÖV-Unternehmen sei man auf ein funktionierendes Strassennetz angewiesen, um Fahrpläne einhalten und das positive Image halten zu können. In puncto Nachhaltigkeit rechnete er vor, dass ein Linienbus etwa 70 Personen fasse und damit 60 bis 65 Personenwagen gleichkomme. Aber auch der ÖV stosse an seine Grenzen. Um Dienstleistung bringen zu können, sollten Busse vom Stau entkoppelt werden können, war sein Vorschlag. Politik und Wirtschaft müssten daher Verkehrsplanung gemeinsam denken.

Es hapert an Navi-Geräten

Dass man dem Ziel, den Durchgangsverkehr in Altdorf halbieren zu können, näher gekommen sei, stellte Valentin Schmidt, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde Altdorf, am Beispiel der verkehrsberuhigenden flankierenden Massnahmen in Altdorf dar. Der Verkehr habe sich seit Einführung vor einem Jahr um 30 bis 40 Prozent verringert. Allerdings hapere es noch an den Navigationsgeräten, die nach wie vor als kürzeste Verbindung zwischen Schwyz und Klausenpass den Verkehr durch die Begegnungszone Altdorf leiten würden. Aber noch sei das neue Verkehrskonzept nicht ganz fertiggestellt, verwies er auf den fehlenden Halbanschluss A2-Altdorf Süd.

Als Vertreter der Kantonspolizei Uri sprach Gusti Planzer. «Stau ist ein zunehmendes Problem, aber kein flächendeckender Dauerzustand», sagte er. Aber das Nationalstrassennetz stosse an seine Kapazitätsgrenzen. Nicht zuletzt, weil es im Nord-Süd-Verkehrskorridor keine Ausweichmöglichkeiten geben. Gestiegen sei daher auch die personelle Belastung der Kantonspolizei. Neben dem Standortvor- teil – Anschluss an die Wirtschaftsräume im Mittelland und im Tessin – müsse man auch die Schwierigkeiten im Auge behalten. Als da seien: Belastung für die Bevölkerung im Alltag, wenn der Transitverkehr auf den Regionalverkehr trifft, sowie zunehmender Stau durch Tourismus und Wirtschaft. Vier Kurzreferate, die genügend Gesprächsstoff für Diskussion und Austausch beim Apéro gaben.

Autorin: Franka Kruse, UW.

Ivo Schillig, Präsident von Wirtschaft Uri, begrüsst die rund 80 Gäste zum jährlichen Austausch zwischen Urner Politik und Urner Wirtschaft.

Céline Huber, Sicherheitsdirektorin des Kantons Uri, überbringt die Grussbotschaft der Urner Regierung.

Unter der Moderation von Michael Zgraggen (links) und Noel Baumann (rechts) stellten sich die Referenten den Fragen beim Sommerapéro von Wirtschaft Uri: Peter Wipfli, Reto Marzer, Valentin Schmidt und Gusti Planzer (von links).