Urner Jugendliche legen bei der Berufswahl selbst Hand an
Aus dem Urner Wochenblatt (150. Jahrgang, Nr. 82) vom Samstag, 17. Oktober 2026, S. 11
Was macht eine Fachfrau Gesundheit den ganzen Tag? Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schreiners aus? Und welche Voraussetzungen braucht es für eine Lehre als Logistiker? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Urner Jugendliche an den Berufsinformationstagen. Diese haben am Montag, 5. Oktober, begonnen und dauern noch bis Freitag, 16. Oktober.
Seit über 30 Jahren finden die Berufsinformationstage währen der Herbstferien statt. Sie ermöglichen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe und des Untergymnasiums, verschiedene Berufe und Lehrbetriebe im Kanton Uri kennenzulernen und erste praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Gleichzeitig bieten sie den Lehrbetrieben die Gelegenheit, sich und ihre Ausbildungsmöglichkeiten vorzustellen. Organisiert wird der jährliche Anlass von der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Uri in Zusammenarbeit mit Wirtschaft Uri, dem Dachverband der Urner Wirtschaftsverbände.
In diesem Jahr haben sich 323 Schülerinnen und Schüler für die insgesamt 158 Veranstaltungen angemeldet. Das entspricht rund 84 Prozent des gesamten Jahrgangs. Mit über 1260 Buchungen besucht jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer durchschnittlich vier Veranstaltungen.
Maurer und Strassenbauer geben Einblick in Berufsalltag
Am Mittwoch, 14. Oktober, versammelten sich 20 Schüler bei der GLB Uri in Seedorf, um die Berufe Maurer und Strassenbauer näher kennenzulernen. Bevor sie selbst Hand anlegen durften, erhielten sie bei einer kurzen Präsentation einen Einblick in die beiden Berufsfelder.
Cédric Gisler, der den Maurerberuf in der Schulkommission des Berufs- und Weiterbildungszentrums Uri (BWZ) vertritt, stellte den Arbeitsalltag auf dem Bau vor. Dabei betonte er insbesondere die Vielseitigkeit des Berufs.
Auch Bildungsdirektor Georg Simmen richtete einige Worte an die Jugendlichen. Er erinnerte sich an seine eigene Jugend und seine Erfahrungen auf dem Bau. Zwar habe er sich damals für die Matura und ein Studium entschieden, während Ferien- und Studentenjobs jedoch immer wieder Einblicke ins Handwerk erhalten. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihn die Freude an sichtbaren Arbeitsergebnissen. «Schöne Momente, wenn man durch Uri fährt und sagen kann: Da habe ich mitgeholfen, und da war ich am Bau beteiligt.»
Georg Simmen zeigte sich überzeugt, dass handwerkliche Berufe auch in Zukunft gefragt sein werden. Gerade angesichts der rasanten Entwicklungen durch künstliche Intelligent veränderte sich die Berufswelt stark. Für ihn steht jedoch fest: « Handwerker braucht es immer noch.»
Dieser Einschätzung schloss sich Franz Arnold, Geschäftsführer der GLB Uri, an. «Man muss keine Angst haben, nach der Lehre keinen Job zu finden. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und die Aufstiegsmöglichkeiten sind sehr gut.» Zudem biete die Arbeit auf dem Bau viel Bewegung an der frischen Lift statt eines Arbeitsalltags im Büro. Als er die Jugendlichen fragte, wer später gerne in einem Büro arbeiten möchte, blieben alle Hände unten. Anschliessend stellte Sandro Lenek, Bauführer bei der Kalbermatter AG, den Beruf des Strassenbauers vor. Dieser habe viele Gemeinsamkeiten mit dem Maurerberuf. Auch Strassenbauer seien hauptsächlich draussen tätig und arbeiteten eng im Team zusammen. Die Arbeit sei körperlich anspruchsvoll, biete aber auch viel Abwechslung und Erfolgserlebnisse.
Von Mauern bis Baggerfahren
Nach dem Theorieblock ging es für die Jugendlichen an die praktische Arbeit. An verschiedenen Posten konnten sie selbst ausprobieren, was die beiden Bauberufe ausmacht. Sie übten sich im genauen Messen, im Mauern und im Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen. Auch einen Bagger durften sie bedienen.
So erhielten sie Schüler nicht nur einen Einblick in die vielfältigen Tätigkeiten auf einer Baustelle, sondern konnten auch herausfinden, ob eine Ausbildung im Baugewerbe für sie infrage kommt.
Kaufmännische Berufe besonders gefragt
Der Einblick in die Berufe Maurer und Strassenbauer war nur eines von insgesamt 158 Angeboten der diesjährigen Berufsinformationstage. Besonders gefragt war wie bereits in den Vorjahren die Veranstaltung zum Beruf Kauffrau/Kaufmann EFZ mit 136 Anmeldungen. Auf dem 2. Platz folgte die Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin beziehungsweise zum medizinischen Praxisassistenten EFZ mit 94 Anmeldungen. Ebenfalls auf grosses Interesse stiessen die Berufe Metallbaukonstrukteur/in EFZ, Metallbauer/in EFZ und Metallbaupraktiker/in EBA mit insgesamt 52 Anmeldungen.
Die Informationsveranstaltungen zu den Berufen Informatiker/in EFZ und ICT-Fachfrau/ICT-Fachmann EFZ verzeichneten zusammen 50 Anmeldungen. Jeweils 45 Anmeldungen entfielen auf die Berufe Elektroinstallateur/in EFZ, Koch/Köchin EFZ Sowie Zeichner/in EFZ mit den Fachrichtungen Architektur und Ingenieurbau.
Das Angebot wurde in diesem Jahr zudem erweitert. Neu konnten sich die Jugendlichen beispielsweise über den Beruf der tiermedizinischen Praxisassistentin beziehungsweise des tiermedizinischen Praxisassistenten informieren. Auch Gastro Uri beteiligte sich mit einer Veranstaltung und ermöglichte Interessierten einen Einblick in die vielfältige Berufswelt der Gastronomie.
Autor: Marius Gisler, UW.

